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Steffan Claußner
Komponist, Arrangeur, Theatermusiker
Presse

Respekt vor der Freiheit des anderen

Das Chemnitzer Sextett BIXXX unter der Leitung von Gregor Kuhn improvisiert poetisch, spannend und mitreißend über den Zustand der Welt.

Von Matthias Zwarg
erschienen am 11.01.2016

Chemnitz. Die Musiker tasten sich langsam aneinander heran. Zart haucht Gregor Kuhn, Chef des Sextetts BIXXX, in die Posaune, leise klopft Steffan Claußner die Klaviertasten warm. Sanft streichelt Armin Reichelt die Gitarrensaiten, tupft Tobias Brunn den Bass, vorsichtig erkundet Harald Fellenberg sein Perkussionsarsenal, pocht Toni Müller beim Schlagzeug an. Nichts ist geplant, nichts in Noten gefasst - die Platte "Wolkenpumpen" der Improvisationsartisten schafft und dokumentiert einen Freiraum für die Freiheit des anderen.

Deshalb klingt das Präsentationskonzert zur Platte am Freitagabend im Ostflügel des Schauspielhauses ganz anders als die Musik auf dem Silberling. Etwa 50 Gäste lauschen dem Spiel des Chemnitzer Sextetts. Alles ist erlaubt, "nur nichts Komponiertes", sagt Steffan Claußner; es gebe lediglich ein Konzept, wer wann mit wem spiele. "Aber das Konzept ist das gleiche", erklärt Claußner. Und tatsächlich klingt auch dieses Konzert wie eine musikalische Illustration des Gedichts "Die Wolkenpumpe" von Hans Arp, einem Dadaisten, der von 1886 bis 1966 lebte. "Die Luft gerinnt zu schwarzem Stein, der Zirkus stürzt ins Bodenlose", schrieb Arp 1920, und auch die neuen Improvisationen der BIXXX-Musiker kann man in ihrer dramatischen Spannung als einen Exkurs über den noch immer blamablen Zustand der Welt hören. Oder als den Soundtrack einer Reise in die dunkelbunten Innenwelten des Menschen, oder als eine Erzählung über das schöne, schwere Leben. Nur per Handzeichen oder kurzen Blickkontakt organisiert, nähern und entfernen sich die Klänge einander, gehen aufeinander ein, drängen sich dazwischen oder behaupten sich solistisch. Immer aber respektiert jeder der Musiker die Freiheit des anderen. Es ergeben sich wunderbare Dialoge zwischen Gitarre und Perkussion, Klavier und Posaune. Die Musik drängt nach vorn, wie eine Geschichte vom Suchen, Finden, Verlieren und Wiederfinden. Es gibt leise, fast lautlose Passagen, nur Atemgeräusche, perlende Töne, wie an einer Seidenschnur aufgefädelt, Anklänge an die Rhythmen von Ragtime oder Kinderliedern, abrupte Übergänge, orchestrale Momente, und es gibt fanfarengleiche Fanale, wenn Gregor Kuhn zur Trompete greift. Bis das Konzert genau so leise verklingt, wie es begonnen hat. Wer sich auf diese Musik einlässt - was gar nicht schwer ist -, wird reich beschenkt.

Im Konzert Die Musiker von BIXXX improvisieren einmal im Monat im Schauspielhaus. Die CD "Wolkenpumpen" ist bei Gregor Kuhn, kuhngreg@web.de, bestellbar.


  

Der hat Töne

Er ist ständig auf der Suche nach Sounds, nach neuen Kombinationen in der Welt der Noten und erdenkt sogar diese neu: der Chemnitzer Musiker und Komponist Steffan Claußner.

Von Matthias Zwarg (Text) und Uwe Mann (Fotos)
erschienen am 25.08.2016

Er hat Instrumente erfunden, hat Noten quasi neu erdacht, sich angetrieben, nicht beim Alten stehenzubleiben, sondern weiterzugehen, zu experimentieren, im wahrsten Sinne des Wortes Ver-rücktes auszuprobieren. Allerdings sieht dafür Steffan Claußners Arbeitszimmer auf dem Chemnitzer Kaßberg ziemlich normal aus, so, wie Arbeitszimmer von Komponisten und Musikern heute eben aussehen: eine Reihe Computer mit mehreren Bildschirmen, Notenblätter auf dem Schreibtisch, eine kleine Werkzeugkollektion mit Hammer, Schraubdreher, Zange; CD- und Bücherregale, Instrumente rundum, Keyboards, Gitarren, die von ihm selbst entworfene Stahlbogenharfe. Steffan Claußner ist ein Bastler, Tüftler, Komponist und begnadeter Musiker - und das wohl am liebsten nicht allein, sondern mit anderen gemeinsam. Nicht umsonst heißt eines seiner zahllosen Projekte "Kehrbrigade" - dort ist er der Brigadier, muss es aber gar nicht immer sein.

Die Liebe zur Musik muss ihm in die Wiege gelegt worden sein. Geboren 1954 im Kemtauer Ortsteil Eibenberg, spielte er schon in den 1960er-Jahren in einer Schülerband Beatles- und Stones-Titel nach, später in der Blaskapelle Meinersdorf, wo er mit dem Posaunisten Gregor Kuhn einen seiner langjährigsten musikalischen Freunde fand. Später lernte Claußner bei verschiedenen Kantoren Klavier, an der Musikschule Karl-Marx-Stadt Kontrabass, Tuba hat er auch mal gespielt. "Bandoneon, verschiedene Flöten und Akkordeon hab ich mir selbst beigebracht", sagt er und lacht. Bei einem Unfall verlor er 1976 einen Finger, konnte danach nicht mehr Kontrabass spielen - also brachte er sich schon im Krankenhaus auch noch das Gitarrespielen bei, zumal gerade der amerikanische Virtuose Leo Kottke ziemlich angesagt war. Damals spielte er bei der nicht nur im Süden populären Folkband Wind, Sand und Sterne in vollen Sälen. Doch der Erfolg war ihm nicht alles. "Mir hat das musikalisch nicht gereicht. Ich war nicht ausgelastet, wollte mein eigenes Zeug machen", sagt Steffan Claußner.

Das "eigene Zeug" war und ist bis heute die Verbindung verschiedener Stile, die Mischung aus Komposition und Improvisation. Mehr Experimente. Die Bereitschaft auch, ein Risiko einzugehen, ob das ankommt oder nicht. Also spielte Steffan Claußner zunächst bei den Tippelbrüdern anspruchsvolleren Folk wie den von Joni Mitchell, gründete später FoJa, deren Name für die Kombination von Folk und Jazz stand. Die Band gab es immerhin zehn Jahre, bis ungefähr 1988. Manchmal arbeitete Steffan Claußner für einen Zuverdienst auch in einem Möbellager und als "Sammelkanalwart", was bedeutete, Heiztrassen zu warten. Doch das kam dann zu einem Ende.

Denn inzwischen hatte Steffan Claußner auch noch bis 1988 in Dresden Musik studiert, deshalb bekam er eine Einstufung als Solist und konnte als freischaffender Musiker arbeiten. "Wir bekamen 1000 Mark pro Auftritt. Darüber wurde eigentlich auch nie diskutiert. Und bei den billigen Mieten und Lebenshaltungskosten - in dieser Hinsicht war das das Schlaraffenland."

Umso härter traf ihn - wie viele Künstler in der DDR - die Wende. "Auf einmal war alles weg. Da hab ich in einem ganzen Jahr vielleicht 1000 Mark verdient - wenn überhaupt. Also haben wir ständig neue Bands mit neuen Namen gegründet, nur um nächste Woche in derselben Kneipe wieder spielen zu können. Musikalisch war das ein großer Schub - aus der Not heraus." So spielte er unter anderem mit der Brühlschen Improvisationsgemeinschaft - gegründet schon 1988, inzwischen zum "Verein für musikalische Bildung" erweitert - Free Jazz, Improvisationen oft nach literarischen Themen, mit der trommelnden Kehrbrigade, der Klezmer-Band Yankele, den Monsters Of Intonation, dem Arbeiterballett. Die neu entstehende Off-Szene, etwa mit dem Voxxx in Chemnitz, bot immerhin neue Auftrittsmöglichkeiten. Gemeinsam mit anderen Musikern und Jazzenthusiasten organisierte Claußner Workshops in Chemnitz und lud international bekannte, aber auch ausgezeichnete Musiker der lokalen Szene zu diversen Projekten ein. Stolz notiert er auf seiner Webseite, mit wem er schon zusammenarbeiten durfte - international bekannte Namen wie Willem Breuker, Conny Bauer, Peter Kowald, Joe Sachse, Jan Delay gelten genauso viel wie regionale Künstler und die Folkmusiker von Wind, Sand und Sterne um Stefan Gerlach. Und die Wortwahl, dieses "zusammenarbeiten dürfen", entspricht dabei genau der Mentalität Steffan Claußners, der als großes Glück empfindet, sich immer wieder mit anderen Musikern auszutauschen, zu probieren, zu improvisieren - und das nicht nur ins Blaue hinein: "Inhalte sind wichtig. Es muss Themen geben, eine Idee - dann hat man einen ganz anderen Zugang, und dann ergibt sich das andere sofort. Und das ist auch fürs Publikum spannender." Aus Literatur, Kunst, Gesellschaft können solche Themen kommen. Improvisationen haben für Steffan Claußner ihren besonderen Reiz: "Es ist intensiver. Und du hast keine zweite Chance." Mit der Chemnitzer Gruppe BIXXX etwa improvisierte Claußner über Texte des Dadaisten Hans Arp, geplant sind Abende zu Ernst Jandl, Samuel Beckett, eine Ballettmusik zu Elfriede Jelinek.

Es war so nur folgerichtig, dass Steffan Claußner und das Theater irgendwann zusammenfanden. Einen ersten Auftrag bekam er schon zu DDR-Zeiten für eine Aufführung von Shakespeares "Sommernachtstraum". Zu seinen schönsten Erfahrungen zählt er die Zusammenarbeit mit dem Zwickauer Ballettchoreografen Torsten Händler. Auch der Erfolg der Chemnitzer "Johnny Cash"-Inszenierung freut Steffan Claußner: "Es macht Spaß, wenn das so funktioniert." Seit drei Jahren ist er mit einer halben Stelle Musikalischer Leiter am Schauspielhaus Chemnitz, beginnt gerade mit den Proben für das Musical "Struwwelpeter", freut sich aber, dass auch noch Freiräume für eigene Projekte bleiben.

Ein Festival für Neue Musik könnte er sich in Chemnitz vorstellen. Die Free-Jazz-Konzertreihe "Grenzüberschreitungen" möchte er aufwerten, enger mit den Musikern zusammenarbeiten, die sich hier mit zeitgenössischer E- und Improvisationsmusik beschäftigen. Ein paar Plattenaufnahmen mit befreundeten Musikern stehen bevor. Und auch neue Instrumente möchte er bauen.

Die von ihm erdachte Stahlbogenharfe macht ihm dafür Mut. "Sie hat alle Klangerwartungen übertroffen." Dafür musste er eigens eine Kompositionsschrift erfinden, weil Noten allein den angestrebten Klang nicht darstellen können: "Man muss notieren, was wie wann wo gespielt wird, eine eher grafische Notation." Ein Metallofon schwebt ihm noch vor: "Eine Metallrolle mit Klangtasten", und ein "Stroh-Cello" - denn Steffan Claußner sucht immer nach neuen Sounds, neuen Kombinationen. "Die Mischung ist am schönsten. Elektronische und akustische Instrumente gemeinsam - das ist ein Riesenpotenzial."

Dass er nicht mit allen Projekten ein großes Publikum erreichen kann, ist ihm bewusst. "Die Zeit der vollen Säle ist vorbei. Aber du musst immer auf der Suche sein, Lernender bleiben", beschreibt er seinen Antrieb, "man muss es erstmal für sich machen ... und wenn dann nur einer im Konzert sitzt, ist es auch gut."

  

Die „Freie Presse“ schreibt am 19.04.2016:
„(…) Ein Ballettabend mit dem Titel ‚Mozart-Briefe‘ in der Choreografie von Reiner Feistel, der Leben und Tod von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) anhand seiner authentischen Briefe nachspüren will, steht unter einem guten Stern. Das Publikum quittierte die Leistung auf der Bühne euphorisch. (…)
Der erste Teil mit Szenen aus dem Leben Mozarts bietet in seiner Konkretheit manche schöne Erkenntnis. Der Zuschauer bekommt Einblicke in die Kindheit von Wolfgang und Nannerl, die als Wunderkinder wie Max und Moritz durch Europa turnen und von einem strengen Vater diszipliniert werden. Doch welche Wahl hatte Leopold? Das Mädchen bleibt zurück, während der Bruder Karriere macht: Auch das ist aus der Zeit heraus verständlich, aber berührend dargestellt. Sehr schön ausgearbeitet wird die Salzburger Enge mit bedrückenden Zuständen am Hof des Erzbischofs. Mozart opponiert und verlässt den sicheren, für ihn viel zu engen Hafen - und wird ein freier Mann. Die Idee, Mozart durch verschiedene Tänzer zu zeigen - als Kind, als junger Mann voller Widerspruch, als Liebender, als Reisender, als schöpferischer Geist - ist (…) in der Collagetechnik auch folgerichtig. Höhepunkt des Abends waren gewiss die Opernträume in der musikalischen Bearbeitung von Steffan Claußner mit einer überlebensgroßen Königin der Nacht, die an Seilen emporgezogen, unter ihrem Riesenkleid manche Opernfigur wie Papageno, Papagena, aber auch Don Giovanni freigibt. (…) an der künstlerischen Ausdrucksfähigkeit einer Helena Gläser ist nicht zu deuten. Ihr Todesengel ist der geniale Einfall des Abends - von Anfang an begleitet er Mozart auf seinem Weg, der 1787 selbst vom Tod als ‚wahrem, besten Freund‘ schrieb. (…)“ (Marianne Schultz)

  
Steffan Claußner animiert die Damen und Herren des Balletts (hier Julia Grunwald) dazu, bei den Proben mit Lebensmitteln um sich zu schlagen. Der Chemnitzer Klangkünstler und Rhythmusexperte hat die Musik zu Torsten Händlers Balletturaufführung „Ein Tag bei Norma. Versuche vom Glück“ entwickelt. Die Premiere ist am 5. Oktober um 19 Uhr geplant. Eine Passage interpretieren die Tänzer live – eine ungewohnte Herausforderung. Die auf dem Foto gezeigte Übung mit echten Salatgurken auszuführen, empfiehlt sich nicht, wie Gabriela Schulz vom Staatstheater anmerkt. "Es matscht sehr, trotzdem bleibt der Klang zu dünn." Mit vielen Ideen verwandelt sich das ehemalige "Wendische Café " in der Cottbuser August-Bebel-Straße 82 in einen "Bauernhof". Der 45 Quadratmeter große Raum bekommt eine "Bauernstube", eine "Tränke" und einen "Hühnerstall". Noch wird fleißig dort gearbeitet. "Am